Budget der Krankenkassen: Neue Arzneimittel für Rheuma, Krebs oder Multiple Sklerose
Neue Arzneimittel für Rheuma, Krebs oder Multiple Sklerose bieten vielen Patienten Hoffnung auf Besserung ihrer Beschwerden oder vollständige Genesung. Allerdings belasten sie im Gegenzug die Budgets der Krankenkassen in erheblichem Maße, denn sie sind entsprechend kostspielig.
Der Preisanstieg bei den 20 ausgabenstärksten Medikamenten bewegte sich im Jahr 2009 zwischen 12 und 25 Prozent, der durchschnittliche Ausgabenzuwachs bei Medikamente lag dagegen nur bei etwa 6 Prozent. Diese Daten basieren auf dem BARMER GEK Arzneimittel-Report 2010.
Der BARMER GEK Vorstand begrüßt deshalb auch die Passage im Referentenentwurf zum „Arzneimittelneuordnungsgesetz“, das die Arzneimittelpreisbildung vernünftig gestalten wolle. Elementarer Teil des Gesetzes ist die Durchführung von Schiedsverfahren, die zur Festlegung von Erstattungshöhen durchgeführt werden sollen und dabei die Höhe des tatsächlichen Abgabepreises in anderen europäischen Ländern berücksichtigen sollen.
Der Durchbruch für faire Preise und vernünftige Verträge wäre nach Ansicht des Vorstands erreicht, wenn die europäische Perspektive Maßstab sein könnte für direkte Verhandlungen zwischen dem Spitzenverband der Krankenkassen und den Pharma-Unternehmen.
Der Gesetzentwurf wurde auch von Prof. Dr. Gerd Glaeske vom Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen kommentiert. Er fordert eine Kassenzulassung auf Zeit für die Klasse patentgeschützter Arzneimittel ohne vergleichbaren Zusatznutzen. Der tatsächliche Nutzen für den Patienten lasse sich nicht in Form schneller Bewertungen festlegen, es seien vielmehr herstellerunabhängige Prüfverfahren nötig, die profunde Aussagen über den Therapieerfolg zulassen.
Eine nachträgliche Kosten-Nutzen-Bewertung müsse zur Pflicht werden. Der Preis könne bleiben, wenn sich die erste Einschätzung bestätige, sei aber kein Zusatznutzen feststellbar, könne der vorläufige Preis gesenkt und die überzahlten Beträge an die Kassen rückerstattet werden.