Zunahme von psychischen Erkrankungen

14 Juli 2010 Kein Kommentar

Ein Krankenstand auf dem Niveau von vor zehn Jahren, aber eine Zunahme der psychisch bedingten Krankschreibungen bei Berufstätigen von 40 Prozent – das ist das ernüchternde Ergebnis eines Gesundheitsreports der Techniker Krankenkasse (TK).

Der Bericht basiert auf den Daten zu Krankschreibungen und Arzneiverordnungen der letzten Dekade und hat damit mehr Gewicht als alle bisherigen Auswertungen, die auf den Angaben eines Jahreszeitraums aufbauen.

Dem Bericht zufolge sind die Hauptursachen für Fehlzeiten bei Beschäftigten und Arbeitslosen überwiegend Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems, aber auch in zunehmendem Maße psychische Störungen.

Nach Aussage des TK-Vorstands ist dies vor allem auf die sich verändernden Rahmenbedingungen in der Arbeitswelt zurückzuführen. Die Beschäftigungsverhältnisse seien zunehmend befristet, moderne Kommunikationsmittel machen uns zu jeder Zeit erreichbar. Der Arbeitsrhythmus werde damit zunehmend fremdbestimmt.

Weiterhin auffallend sei, so die TK, das hohe Volumen der verordneten Antidepressiva. Diese haben sich bei Frauen innerhalb der letzten zehn Jahre fast verdoppelt, bei Männern liegt der Anstieg noch höher. Außerdem erhalten arbeitslose Männer und Frauen zwischen 100 und 200 Prozent mehr Antidepressiva als Berufstätige. Daraus sei zu schließen, dass Arbeitslose von fast allen Diagnosen in größerem Umfang betroffen seien als Berufstätige, wobei der Unterschied bei psychischen Störungen besonders groß sei.

Der Anteil der hohen psychisch bedingten Fehlzeiten ist nicht nur auf die steigende Anzahl der Krankheitsfälle zurückzuführen. Auch die lange Krankheitsdauer ist ein maßgeblicher Grund dafür.

Belegt wird diese Annahme durch Daten zum Krankengeld, das nach einer Krankheitsdauer von mehr als sechs Wochen durch die Krankenkassen gezahlt wird. So war der Krankengeldbezug in den ersten Jahren des Auswertungszeitraums noch rückläufig. Seit Einführung der Hartz-Gesetzgebung ist der Anteil der Arbeitsunfähigkeiten, die mit dem Bezug von Krankengeld verbunden sind, auf fast 30 Prozent angestiegen, die Dauer des Anspruchs liegt durchschnittlich bei knapp 100 Tagen.

Insgesamt, so zeigt die Auswertung, haben arbeitsmarktpolitische Maßnahmen immer auch Auswirkungen auf das Gesundheitswesen. Gesundheitspolitik darf sich deshalb nicht nur auf die Entwicklung von Sparmaßnahmen fokussieren, so die TK.

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